News Corp hat seinen juristischen Kampf gegen die unbefugte Nutzung seines Journalismus verschärft, indem es eine Gegenklage gegen Brave, die auf Datenschutz ausgerichtete Suchmaschine, eingereicht hat. Darin wird behauptet, das Unternehmen habe urheberrechtlich geschützte Artikel abgekratzt, um KI-Modelle zu füttern, was der Medienkonzern als „eklatanten Diebstahl“ bezeichnet.

Reuters berichtete am Mittwoch, dass die Gegenklage im Zusammenhang mit einem laufenden Rechtsstreit zwischen den beiden Unternehmen eingereicht wurde. News Corp behauptet, dass Brave systematisch Artikel aus seinen Publikationen, darunter The Wall Street Journal, The New York Post, The Times of London und anderen großen Nachrichtenagenturen, ohne Erlaubnis oder Entschädigung gesammelt hat. Weitere Informationen zu dieser Geschichte finden Sie in unserer aktuelle KI-Trends.

Die Vorwürfe gegen Brave

Den Unterlagen zufolge hat Brave Artikel von News Corp gecrackt und sie Dritten für KI-Trainingszwecke zur Verfügung gestellt. Das Medienunternehmen argumentiert, dass dies eine direkte Urheberrechtsverletzung darstelle, da die Inhalte ohne Genehmigung der Rechteinhaber kopiert, gespeichert und weiterverbreitet worden seien.

Die Verwendung des Ausdrucks „eklatanter Diebstahl“ durch News Corp unterstreicht die Ernsthaftigkeit, mit der das Unternehmen das mutmaßliche Verhalten beurteilt. Das Unternehmen hat sich als einer der aggressivsten Verteidiger von Verlagsrechten im KI-Zeitalter positioniert und bereits rechtliche Schritte gegen mehrere Technologieunternehmen wegen der Nutzung seiner Inhalte eingeleitet.

Brave, gegründet vom JavaScript-Erfinder Brendan Eich, vermarktet sich selbst als datenschutzorientierte Alternative zur Google-Suche. Das Unternehmen betreibt einen Suchindex, der mit einem eigenen Crawler erstellt wurde, der zuvor von Verlagen auf den Prüfstand gestellt wurde, die argumentierten, dass ihre Inhalte ohne Zustimmung indiziert und für andere Zwecke verwendet würden.

Ein umfassenderes Urheberrechts-Schlachtfeld

Die Gegenklage von Brave ist die jüngste Salve in einem weitreichenden Rechtskonflikt zwischen traditionellen Verlagen und KI-Unternehmen. In den letzten zwei Jahren haben zahlreiche Medienorganisationen Klagen eingereicht, in denen behauptet wird, dass ihre Inhalte ohne Erlaubnis gecrackt wurden, um große Sprachmodelle und andere KI-Systeme zu trainieren.

Die New York Times verklagte OpenAI und Microsoft Ende 2023, ein Fall, der noch im Rechtsstreit liegt. Hunderte lokale Zeitungen reichten eine gemeinsame Urheberrechtsklage gegen dieselben Unternehmen ein. Die Autorengilde und einzelne Autoren haben getrennte rechtliche Schritte gegen KI-Firmen wegen der Verwendung von Büchern in Trainingsdaten eingeleitet.

News Corp stand in diesem Kampf an vorderster Front. Das Unternehmen hat zuvor eine Lizenzvereinbarung mit OpenAI im Wert von mehreren zehn Millionen US-Dollar abgeschlossen, was seine Strategie demonstriert, sowohl Rechtsstreitigkeiten als auch kommerzielle Geschäfte zu verfolgen. Die Gegenklage von Brave legt nahe, dass News Corp seine Durchsetzungsbemühungen nun über die größten KI-Unternehmen hinaus ausweitet und auch Vermittler einbezieht, die die Datenerfassung erleichtern.

Das Vermittlerproblem

Der Fall gegen Brave wirft eine wichtige Rechtsfrage auf, die die Gerichte noch nicht vollständig geklärt haben: ob Suchmaschinen und Datenaggregatoren, die das Web crawlen, haftbar gemacht werden können, wenn die von ihnen gesammelten Inhalte anschließend für KI-Schulungen verwendet werden.

Suchmaschinen wie Google arbeiten seit langem nach dem Grundsatz, dass die Indizierung von Webseiten für Suchergebnisse eine faire Nutzung darstellt. Mit dem Aufkommen der generativen KI hat sich die Landschaft jedoch dramatisch verändert. Wenn der Index einer Suchmaschine umfunktioniert wird, um Modelle zu trainieren, die konkurrierende Inhalte generieren können, wird die Fair-Use-Verteidigung weitaus unklarer.

Der Suchindex von Brave, der mithilfe seines proprietären Crawlers erstellt wurde, nimmt in dieser Debatte eine Grauzone ein. Das Unternehmen hat argumentiert, dass seine Crawling-Praktiken für Suchmaschinen Standard seien. News Corp behauptet, dass die Wiederverwendung von Scraping-Inhalten für das KI-Training weit über das hinausgeht, was für die Suchfunktionalität erforderlich ist.

Auswirkungen auf das Web Scraping-Ökosystem

Sollte sich News Corp durchsetzen, könnte der Fall weitreichende Auswirkungen auf das Web-Scraping-Ökosystem haben, das einem Großteil der KI-Branche zugrunde liegt. Viele KI-Unternehmen verlassen sich auf Datenbroker, Suchindizes und automatisierte Crawler, um die riesigen Textmengen zu sammeln, die zum Trainieren ihrer Modelle erforderlich sind. Ein Urteil, das diese Vermittler haftbar macht, könnte die Lieferketten in der gesamten Branche stören.

Umgekehrt würde ein Urteil zugunsten von Brave die Position von Suchmaschinen und Datenaggregatoren stärken und es für Verlage schwieriger machen, zu kontrollieren, wie ihre Inhalte verwendet werden, sobald sie im offenen Web erscheinen.

Rechtsexperten weisen darauf hin, dass das Ergebnis von spezifischen technischen Details darüber abhängen könnte, wie der Crawler von Brave funktionierte, welche Daten gesammelt wurden und wie sie den KI-Entwicklern zur Verfügung gestellt wurden. Die Unterscheidung zwischen der Indizierung für Suchergebnisse und dem Sammeln von Daten für das Modelltraining könnte sich als entscheidend erweisen.

Die Herausforderungen für den Journalismus

Für News Corp und andere Verlage geht es um mehr als eine einzelne Suchmaschine. Das Unternehmen argumentierte, dass die unkontrollierte Ausrottung des Journalismus die wirtschaftliche Grundlage von Nachrichtenorganisationen gefährde. Wenn KI-Systeme ohne Entschädigung Inhalte aus Material generieren können, das aus Nachrichtenagenturen stammt, verlieren Verlage sowohl Leser als auch die Werbeeinnahmen, die ihren Betrieb aufrechterhalten.

Die Trump-Regierung hat zu diesem Thema gemischte Signale gesendet. Während einige Beamte ihr Mitgefühl für die Bedenken der Verlage zum Ausdruck brachten, drängten andere auf Richtlinien, die der KI-Entwicklung Vorrang vor der Durchsetzung des Urheberrechts einräumen. Die Lösung von Fällen wie News Corp gegen Brave kann letztendlich davon abhängen, wie Gerichte bestehende Urheberrechtsgesetze im Kontext einer Branche interpretieren, die zum Zeitpunkt der Verabschiedung dieser Gesetze noch nicht existierte.

Die Gegenklage sendet vorerst eine klare Botschaft: News Corp beabsichtigt, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um seine Inhalte zu schützen, von den größten KI-Laboren bis hin zu den Suchmaschinen, die sie mit Daten versorgen.

---

Bleib vorne bei KI

Die neuesten KI-Nachrichten, Analysen und Durchbrüche – alles an einem Ort.

Mehr KI-Nachrichten lesen →